Ab dem 1. Dezember 2002 soll Call-by-Call auch im Telefon-Ortsnetz möglich sein. Diese Nachricht sorgte bei Vieltelefonierern für glänzende Augen. Es gibt aber berechtigte Zweifel daran, dass Call-by-Call wirklich zu einem Preisrutsch führen wird, wie Teltarif.de meldet.
Das zum 1. Dezember in Kraft tretende Gesetz schreibt vor, dass nur solche Anbieter Ortsgespräche in Konkurrenz zur Telekom anbieten dürfen, die in der jeweiligen Stadt oder in deren unmittelbaren Nähe eine Netzzusammenschaltung mit der Deutschen Telekom betreiben, von der sie die Telefonate übernehmen. In Großstädten wie Hamburg oder Berlin sei dies in der Regel der Fall. Anders bei etwas kleineren Städten wie Leipzig oder Kassel. Aufgrund dieser rechtlichen Bestimmung werden viele Call-by-Call-Anbieter Ortsgespräche nicht flächendeckend anbieten können.
In großen Städten könnte es dann wahrscheinlich 10 bis 15 Anbieter für Ortsgespräche geben, in kleinen Städten aber vielleicht nur drei oder vier. Wählen Sie in der falschen Stadt die falsche Call-by-Call-Vorwahl, bekämen Sie keine Verbindung oder "nur" eine Telekom-Verbindung. Der ersehnte Preisvorteil wäre dann futsch.
Außerdem ist zu man befürchten, dass die Deutsche Telekom versuchen wird, Konkurrenten die Zuführung von Ortsgesprächen zu verwehren. Das würde die Regulierungsbehörde auf den Plan rufen. Sie müsste eine formelle "Zusammenschaltungsanordnung" erlassen, gegen die der Rosa Riese wiederum klagen könnte. Langwierige Gerichtsverhandlungen wären die unvermeidbare Folge.
Eine große Hürde stellen auch die Investitionen in die Zusammenschaltungspunkte dar, die die Telekommunikationsanbieter tätigen müssen, um die Gesetzesauflagen zu erfüllen. Nur die wenigsten Unternehmen werden diese Kosten einfach so wegstecken können. In der Regel werden diese Kosten vermutlich auf die Telefonkunden umgelegt werden, um eine Refinanzierung der Investitionen zu erreichen. Ortsgespräche kämen dem Kunden dann unter Unständen teuerer als Ferngespräche, mutmaßt Teltarif.
Ein weiteres Problem könnte die Leistungsüberlastung eines sehr günstigen Anbieters werden. In so einem Fall müsste der Kunde auf einen anderen Call-by-Call-Provider ausweichen, der unter Umständen teuerer als das günstigste Angebot der Telekom ist. Mit teilweise 1,6 Cent pro Minute in den Nebenzeiten kann das Telefonieren mit der Telekom durchaus preiswert sein. Kunden, die in den Nebenzeiten mit einem Call-by-Call-Anbieter telefonieren, könnten dann unter Umständen mehr zahlen. Zudem gibt es bei der Telekom keine Leitungsprobleme.
Allerdings rechnet die Telekom vielfach in festen Takteinheiten ab, zum Beispiel ab 21.00 Uhr im 4-Minuten-Takt für sechs Cent. Diese müssen Sie auch dann bezahlen, wenn Sie nur wenige Sekunden telefonieren. Alternativ-Anbieter ohne eine solche feste Taktabrechnung könnten bei Kurzgesprächen preiswerter sein, bei längeren Gesprächen hätte unter Umständen die Telekom das günstigere Angebot.
Die Suche nach dem günstigsten Call-by-Call-Anbieter könnte also ziemlich schwierig werden. Falls Sie dann auch noch ein paar Mal daneben langen und teuerer telefonieren als eigentlich nötig, kommt Ihnen Call-by-Call zumindest in den Nebenzeiten teuerer, als wenn Sie der Telekom treu geblieben wären.
Quelle: AOL
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